Rennrad Gewicht reduzieren – Tipps und Tricks

Vorwort Rennrad Gewicht reduzieren

In diesem Beitrag will ich mal meine Erfahrungen zum Leichtbau bei Rennrädern weitergeben.
Wie der Titel „Rennrad Gewicht reduzieren – Tipps und Tricks“ schon verrät, will ich hier zeigen, wie man seinen Renner mit einfachen Mitteln deutlich leichter bekommt.

Als Ausgangsrad nehme ich hier mein eigenes Leichtbau-Rennrad, bei dem ein Simplon Kiaro Rahmenset als Basis dient.
Na, dann fangen wir mal an:

Der richtige (leichte) Rahmen zum vernünftigen Preis

Den richtigen Rahmen für sein Projekt zu finden, ist beim Bau eines Leichtbau-Rennrades wirklich eine der größten Aufgaben. Es gibt unglaublich viele Hersteller, die alle zu zum Teil – zu unglaublich hohen Preisen – leichte Carbonrahmen anbieten.

Zu den hochwertigen Herstellern gesellen sich dann auch immer mehr Lieferanten aus China, die den Markt für Rennradrahmen mit günstigen Carbonmodellen überschwemmen.
Mittlerweile werden diese Carbon Rahmen aus Fernost sogar direkt bei Amazon verkauft – und wie man an diesem Beispielmodell sehen kann, sogar ziemlich günstig.

Ob man einem Vollcarbonrahmen für unter 500€ vertrauen will, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Es gibt ein paar Schockberichte, die aber meistens von Herstellern hochpreisiger Carbonartikeln gestreut werden und Gegenberichte, die beweisen sollen, dass die China-Carbonteile doch was taugen.
Ich bin den Carbonartikeln aus China nicht grundsätzlich negativ gegenüber eingestellt, wie man an dem Abschnitt über den Sattel noch sieht…

Ich habe mich bei meinem Leichtbau-Projekt für einen Simplon Kiaro Rahmenset entschieden.
Es ist verhältnismäßig günstig (z.B. bei Bike24 für knapp 2000€ zu bekommen) und sieht natürlich ganz schick aus.
Es wiegt etwas über 1100 Gramm, was für die Preisklasse ein äußerst guter Wert ist.
Natürlich kann man auch noch deutlich mehr Geld ausgeben und erreicht dann Werte unter 1000 Gramm für den Rahmen, aber dann bewegen wir uns auch bei Preisen jenseits der 4000€ nur für das Rahmenset. Ich denke Simplon bietet hier das mit Abstand beste Preis/Leistungsverhältnis und ist gerade bei der Gewichtsoptimierung ein echter Geheimtipp!

Kompromisse

Übrigens: Mein Leichtbau-Rennrad soll für die Langstrecke gebaut werden, daher habe ich einige Kompromisse gemacht.
Man hätte hier auch einen Simplon Pavo Granfondo Rahmen nehmen können, was jedoch einen Einbußen im Komfort für die Langstrecke bedeutet hätte. Daher habe ich mich für den Kiaro Rahmen entschieden.
Der Kiaro Rahmen hat im hinteren Bereich eine von Simplon getaufte Vibrex Vibrationsdämpfung, die meiner Meinung nach fast genauso gut funktioniert, wie das System von Trek.

Die vordere 7.1 Gabel des Kiaro unterstützt die Stoßdämpfung zudem und die etwas aufrechtere Sitzposition der Rahmengeometrie ist für die Langstrecke natürlich optimal.

Die Schaltung bei einem Leichtbau-Rennrad

Bei der Schaltung hat man objektiv betrachtet eigentlich nur drei wirkliche Möglichkeiten:

  1. Campagnolo Super Record
  2. Shimano Dura Ace
  3. Sram Red

Wieso ist es bei mir die Campagnolo Super Record geworden?

Weil die Variante der Campagnolo Super Record meiner Meinung nach mit  einem Gewicht von 1755 Gramm unschlagbar leicht ist. Zudem ist die gesamte Gruppe aus Carbon gefertigt, was wirklich gut ausschaut.

Na klar – mit einem stolzen Gesamtpreis von knapp 2300€ auch die teuerste Gruppe, aber aus meiner Sicht lohnt sich der hohe Anschaffungspreis hier.  Egal wie alt die Schaltung jemals werden sollte – sie wird niemals uncool werden.

So wie bei einem alten Porsche!
Die SRam Red wäre übrigens als Vergleich nochmal 76 Gramm leichter gewesen, sieht aber nach meiner bescheidenen Meinung nicht halb so geil aus! Und ich bin auch der Meinung, dass die Qualität einer Campagnolo Super Record die einer SRam Red bei weitem übertrifft.
Eine Super Record ist halt eine Super Record – Punkt.

Leichte Laufräder zum guten Preis sind schwer zu finden

Ich habe auch bei den Laufrädern unglaublich lange alle möglichen Angebote durchforstet.
Bei meiner Suche bin ich dann schlussendlich bei einer kleinen Laufradmanufaktur aus meiner Schwesterstadt Münster gelandet. Ich habe dort meine jetzigen Leeze CC38 Laufräder gekauft.
Bei einem Preis von knapp 1219€ und einem Gesamtgewicht von 1380 Gramm für mich die optimale Mitte. Sehr leicht und zudem noch bezahlbar.

Sicherlich hätte man zu Lightweights greifen können, dann wären wir aber auch wieder bei mehr als 4000€ gelandet – und das für eine Gewichtsersparnis von vielleicht 300 Gramm.
Bei dem Paar Leeze CC38 waren dann gleich auch noch die Continental Grand Prix 4000 SII Bereifung inklusive. Bonus!

Zwar sind die Grand Prix 4000 SII nicht die leichtesten Mäntel – man hätte noch ein paar Gramm mit den Conti GPForce oder ZIPP Mänteln rausholen können, aber die Grand Prix 4000 SII sind einfach das beste Allroundpaket im Hinblick auf Langlebigkeit und Pannensicherheit.

Vorbau, Lenker, Sattel und co.

Hier fasse ich mich kurz. Bei Vorbau und Lenker habe ich mich für Syntace Produkte entschieden. Der Vorbau ist ein Syntace F109 und der Lenker ein Syntace Racelite 2.
Das Syntace Zeug ist beim Gewicht im Verhältnis zum Preis echt grandios.

Der Sattel kommt aus China. Hier habe ich für den Carbon-Sattel gerade einmal 40€ bezahlt. Er wiegt stolze 89 Gramm. Ein vergleichbarer Markensattel hätte das 7-10fache gekostet und bisher habe ich mit Carbonteilen aus China immer nur gute Erfahrungen gemacht.

Ich will an dieser Stelle keine Werbung dafür machen – wie gesagt, jeder muss hier selbst entscheiden, ob er dem Zeug aus Fernost vertraut.
Das Lenkerband gabs von Lizard Skins.
Unschlagbar leicht mit einem Gesamtgewicht von 50g inkl. Lenkerstopfen. Das bei mir verwendete ist das Lizard Skins DSP in 1,8mm Dicke.

Tipps und Tricks zum Gewicht reduzieren

Es gibt auch günstige Möglichkeiten, euer Rennrad noch weiter an das Maximum des Leichtbaus zu treiben.
Eine der besten Möglichkeiten, noch etwas mehr Gewicht zu sparen, ist das Absägen der Sattelstange.
Diese sind meist länger als nötig und man kann getrost bis zur Minimum-Markierung des Herstellers hier das Sägeblatt schwingen. Das spart im Regelfall nochmal 30-50 Gramm.

Solltet ihr eine etwas günstigere Schaltung haben, lohnt es sich immer die Kette einer höherwertigen Schaltgruppe zu tauschen.
Beispiel Shimano Ultegra (der Profi-Standard):

Gewicht Kette Ultegra: 257g
Gewicht Kette Dura Ace: 243g
Gewichtsersparnis: 14 Gramm

Lenkerband habe ich ja eben erwähnt – hier kann man wirklich auch noch einiges raus holen. Bei einem Wechsel sind bis zu 50 Gramm drin.
Ebenfalls sind Vorbau und Lenker nie beim Gewicht zu unterschätzen. Auch hier kann man bei einem Komponenten-wechsel mal eben 100-200 Gramm sparen, wenn man wie ich beschrieben habe, auf zum Beispiel Komponenten von Syntace wechselt.

Auch bei den Schnellspannern der Felgen kann man noch ein bisschen Gewicht sparen, wenn man die ursprünglichen Schnellspanner gegen die Leichtbauvariante von z.B. Tune tauscht.
Hier investiert man knapp 100€ für 40 Gramm Gewichtsersparnis.

Ebenfalls kann man noch ein bisschen bei Schläuchen und Mänteln raus holen. Anstatt der Contis kann man die ZIPP Tangente Speed Faltreifen nehmen und bei den Schläuchen nimmt man keine aus Butyl, sondern Schläuche aus Latex oder Leicht-Butyl.

Bei den Mänteln sind es knapp 120 Gramm Ersparnis – bei den Schläuchen bestenfalls auch.
Aber Vorsicht: die günstigeren Schläuche platzen schneller bei Hitzeeinwirkung (lange Bremsmanöver) und die Mäntel haben einen schlechteren Pannenschutz.
Hier muss man wissen, ob es das einem wert ist.

Wenn man es richtig übertreiben will, dann nimmt man auch noch die Ventilmuttern und Ventilkappen weg, die bei einem Rennrad meiner Meinung nach keine sinnvolle Funktion aufweisen.
Zudem kann man die Edelstahlschrauben durch die Titanvariante ersetzen, was pro Schraube dann nochmal 1 Gramm spart.

Sparpotential zusammengefasst

Wie der Titel des Beitrags „Rennrad Gewicht reduzieren – Tipps und Tricks“ schon sagt, hier meine Empfehlungen:

Sattelstange absägen – kostenlos  – ca. 50 Gramm Ersparnis
Kette tauschen        – ca. 40€     – ca. 14 Gramm Ersparnis
Lenkerband tauschen – ca. 30 €    – ca. 50 Gramm Ersparnis
Reifen tauschen       – ca. 100€   – ca. 120 Gramm Ersparnis
Schläuche tauschen   – ca. 30 €    – ca. 120 Gramm Ersparnis
Schnellspanner tauschen – ca. 90€ – ca. 50 Gramm Ersparnis
Lenker und Vorbau tauschen – ca. 350€ – ca. 150 Gramm Ersparnis
Sattel gegen Carbonsattel tauschen – ca. 40€ – ca. 150 Gramm Ersparnis
Ventilkappen und Ventilmuttern entfernen – kostenlos – ca. 3 Gramm Ersparnis
Edelstahl gegen Titanschrauben tauschen – ca. 80€ –  ca. 10 Gramm Ersparnis

Berücksichtigt man diese mehr oder weniger sinnvollen Tipps also, dann kann man bei jedem Rennrad auch ohne Wechsel der Schaltgruppe, des Rahmens oder der Laufräder für ca. 700€ dann ca. 600 –  750 Gramm Gewicht sparen.
Und für 700€ ein deutlich mehr als ein halbes Kilo Gewicht weniger ist schon okay 😉
Natürlich sind alle meine Angaben hier ohne Gewähr und zum Teil (Reifen und Schläuche, China-Carbonsattel, etc…) nicht für jeden was.
Aber ich hoffe, ich konnte mit so einer Aufstellung mal etwas zum nachdenken anregen 🙂

Fazit und Gesamtgewicht

Insgesamt hat der Neuaufbau meines Rades etwas mehr als 6300€ gekostet. Dafür habe ich allerdings auch nun ein langstrecken-taugliches Rennrad mit einem unglaublich geringen Gesamtgewicht von 6,25 Kilogramm (Messung mit Kofferwaage).

Ich denke, so etwas findet man nicht zu dem Preis als Komplettpaket im Handel!
Und es sieht auch noch extrem gut aus.
Der schwarze Renner fällt nicht sofort auf und kaum jemand vermutet, was in ihm steckt.
Ich habe bewusst auf die Decals an den Laufrädern verzichtet.

Anbei noch ein paar „Impressionen“ meines neuen Custom Simplon Kiaro:

 

 

 

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